Segelkunstflug-Ausbildung
vom 31.10. bis 11.11.2001
Bericht von Josef Reithofer
Wie ich da hinein geraten bin:
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An einem der langen und
heiteren Abende während des Segelfluglagers in Nötsch
habe ich etwas leichtsinnig zu Rudi Frenslich gesagt, dass ich eventuell
an einer Segelkunstflugausbildung im nächs-ten Jahr interessiert
wäre. Günter Mayer wollte auch mitmachen und wieder zuhause
mussten wir Christian Vohryzka auch nicht lange überreden,
aber er wollte auch erst nächsten Herbst damit begin-nen, weil
er heuer noch seine neue Wohnung beziehen möchte.
Irgendwie dürfte Rudi das mit dem nächstem Jahr nicht
so richtig verstanden, vergessen oder ver-drängt haben, aber
wahrscheinlich war es ihm sowieso nur einfach wurscht. Auf jeden
Fall hat er mich vor einigen Wochen angerufen und gesagt, dass er
bereits alles für den Kunstflugkurs organisiert hat: Die „Fox“
aus Niederöblarn ist für 2 Wochen in Stockerau, Konrad
Zeiler ist unser Fluglehrer und Schlepp-Piloten hat er auch schon
eingeteilt. Meine Bedenken wegen meiner eher bescheidenen Flug-erfahrung
(Schlepp-Berechtigung erst im Mai) kommentiert er auf seine typische
Art: „Bledsinn, du packst des scho“ – Na ja, ich
werd’s mal ausprobieren und schau’n wie weit ich komme.
Unsere
Kunstfluglehrer:
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Konrad Zeiler, der „Beute-Fluglehrer“
aus Niederöblarn ist eine echte Bereicherung für unseren
Ver-ein. Für diejenigen, die ihn noch nicht kennen, eine kurze
Beschreibung seiner eindrucksvollen fliege-rischen Karriere: Er war
mehrerer Jahre in Niederöblarn hauptberuflich als Segelfluglehrer
tätig, hat dann die Berufspilotenausbildung gemacht und ist kurz
darauf bei der Lauda-Air im Cockpit der Boe-ing 777 (jawohl, das dicke
Ding mit den 300t Abfluggewicht) gelandet. Zur Zeit fliegt er als
Käpt’n (mit 31 Jahren) auf einem Regionaljet kreuz und
quer durch Europa. Das dürfte ihn aber nicht wirklich auslasten
und so hat er die ultimative fliegerische Herausforderung in unserem
Verein gefunden: Flug-schülern das Falken-Fliegen lernen. Ah
ja, fast hätte ich’s vergessen: So nebenbei ist er irgendwann
auch noch Segelkunstflug-Staatsmeister geworden, bei der WM war er
dann natürlich auch dabei und daher ist Konrad genau der Richtige,
um uns Kunstflug-Neulingen das Fliegen bei einem Lastvielfa-chen von
5g (und mehr) beizubringen.
An den Tagen, an denen sich Konrad seine Brötchen im Linienflieger
verdient, kommt Martin Strimit-zer aus der Steiermark nach Stockerau,
um uns das Kunstfliegen zu lernen. Martin ist übrigens der Nachfolger
von Konrad als Kunstflug-Staatsmeister und daher können wir uns
sicher nicht auf unfähi-ge Lehrer ausreden, falls wir die Kunstflugberechtigung
doch nicht schaffen sollten. Die
"Fox" |
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Technische Daten:
Hersteller: MDM-Company
Typ: MDM-1 „Fox“
Kennzeichen: OE-5666
Spannweite: 14 m
Rumpflänge: 7,38 m
Leergewicht: 345 kg
Maximales Gesamtgewicht: 525 kg
Gepäck: nicht erlaubt (wer packt schon einen Koffer in so ein
Gerät?)
Höchstgeschwindigkeit VNE: 293 km/h
Zulässige Lastvielfache: +9/-6 g einsitzig
+7/-5 g doppelsitzig
Zugelassene Kunstflugfiguren: Trudeln, Rückentrudeln, Looping,
Negativlooping, Rückenflug, Turn, Negativturn, Männchen,
gesteuerte Rolle, gerisse-ne/gestoßene Rolle, Rollenkreis, Aufschwung/Abschwung
(mit ge-steuerten oder gerissenen/gestoßenen Rollen), Kubanische
Acht.
Preis: ca. 800.000,- öS
Dagegen ist unser Twin-Astir, der immerhin auch für einfachen
Kunstflug zugelassen ist, doch ein eher erbärmliches Gerät.
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| Die Schleppmaschine |
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Das ewige Thema beim Segelfliegen
in Stockerau: Ist die Schleppmaschine flugtauglich oder nicht? Ich
könnte an dieser Stelle einiges schreiben, aber damit Ihr mir
beim Lesen nicht einschlaft und weil’s ja sowieso niemanden
interessiert, kürze ich etwas ab: Die gute Morane ist natürlich
nicht flugtauglich und wartet in der Werft auf irgendwelche Haubenschienen.
Leute, bedankt euch bei Rudi Frenslich und Wolfgang Gockert, dass
sie die Remorqueur aus Tulln samt Schlepp-Piloten organisieren konnten.
Ich schreibe hier besser nicht, was am Flugplatz passiert wäre,
wenn die Fox 2 Wochen nur im Hangar herumgestanden wäre.
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| Die Theorie |
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Einige Tage bevor die Fox
in Stockerau eintrifft vergattert uns Konrad zu ein paar Stunden Kunstflug-Theorie.
Er verschont uns aber von irgendwelchen unnötigen Berechnungsformeln,
sondern versucht, uns die notwendigen Steuerbewegungen für die
einzelnen Figuren genau zu erklären. Sehr schnell merken wir,
dass Kunstflug nichts mit Draufgängertum oder ähnlichem
Schwachsinn zu tun hat, son-dern ein gezieltes Erlernen von festgelegten
Standardfiguren ist.
Da Konrad ein überzeugter Wettbewerbs-Kunstflieger ist, legt
er großen Wert auf eine exakte Ausfüh-rung der Figuren:
z.B. sollen alle Figuren entlang einer Linie (Piste) und möglichst
innerhalb der „Box“ von 1 x 1 x 1 km ausgeführt werden.
Das Trudeln soll nicht irgendwie, sondern genau in der festgelegten
Richtung und genau senkrecht nach unten ausgeleitet werden.
Er findet, dass die geforderten Figuren für die Kunstflugberechtigung
(Trudeln, Looping und hochge-zogene Kehrtkurve) zu wenig sind und
wird mit uns auf jeden Fall auch Rollen und Rückenflug trainieren.
„Und außadem werd’s am End sowieso no andere Figurn
fliag’n wolln“ (wie wahr).
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| Die Standardfiguren |
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Jetzt ist es soweit: Ich
sitze in der Fox, die Gurt sind festgezogen, dass fast das Wasser
rausrinnt und gehe geistig noch einmal das geplante Programm durch:
Trudeln links - Looping - 45° Aufwärtslinie - Trudeln rechts
- Looping - Turn links - Turn rechts - je nach verbleibender Höhe
noch einige Loopings oder Turns (ich wollt’s eigentlich ganz
langsam angehen, aber was soll’s).
Im F-Schlepp zeigt sich die Fox von ihrer angenehmsten Seite, sie
reagiert direkt und ohne Verzöge-rung auf den kleinsten Ausschlag
am Steuerknüppel (fast so wie ein schlechtes Computerspiel, bei
dem die Programmierer auf die Massenträgheit vergessen haben).
In 1200m über Grund klinken wir aus und Konrad funkt zu unseren
militärischen Fliegerfreunden in Langenlebarn so etwas wie „Oscar
Echo Five Triple-Six is starting the aerobatic-program“ –
klingt irgendwie recht eindrucksvoll.
Wir beginnen mit einer Überziehübung im Geradeausflug, wobei
sich die Fox nicht viel anders als andere Segelflugzeuge verhält:
bei ca. 90 km/h werden die Ruder weich und beim Strömungsabriß
geht die Nase deutlich nach unten.
Als nächstes simulieren wir eine unsauber geflogene Endanflugkurve
und jetzt zeigt sich die Fox zum ersten Mal von der giftigen Seite,
da sie praktisch ohne Vorwarnung über den inneren Flügel
abkippt und ich sie erst nach einem deutlichen Höhenverlust wieder
abfangen kann. OK, Lektion kapiert: Im Landeanflug verzeiht die Fox
keine Blödheiten.
Nach diesen eher harmlosen Übungen richten wir uns entlang der
Piste aus und beginnen mit dem ge-planten Programm:
Trudeln: Geschwindigkeit
auf Mindestfahrt verringern, dann voll ins Seitenruder, gleichzeitig
das Höhenruder ganz nach hinten ziehen und schon ist die Fox
im schönsten Trudeln. Die körperlichen Belastungen sind
eher gering, aber der optische Eindruck ist ganz neu: Der Horizont
ist fast nicht mehr sichtbar und die ganze Gegend rotiert vor dem
Flugzeug (ich wusste ja schon immer, dass sich die Welt um mich dreht).
Das Stoppen der Drehung gelingt mir einigermaßen passabel und
schon wieder ein neuer Anblick: Wieder nur Gegend vor dem Flugzeug,
aber diesmal ohne Bewegung, nur die Ä-cker werden bedrohlich
größer und die Windgeräusche nehmen enorm zu –
wir fliegen genau senk-recht nach unten. Bei ca. 180 km/h ist der
richtige Zeitpunkt, um in die Horizontale zu ziehen und plötzlich
sind sie da: die g-Kräfte. Bei 4g sitze ich mit fast 350 kg im
Sitz und ich spüre deutlich wie es mir die Wangen nach unten
zieht. Der Blick ist nach vorne gerichtet und langsam kommt auch der
Horizont wieder von oben in die normale Lage. Ich versuche die soeben
erlebten Eindrücke zu verar-beiten, als Konrad von hinten sagt:
„Geschwindigkeit passt – nächste Figur!“
Looping: Eine relativ einfache Kunstflugfigur, aber
die Schwierigkeiten liegen im Detail. Ich ziehe bei ca. 200 km/h mit
3-4g hoch (he, das Gefühl kenn ich schon) und versuche die Querlage
zu halten. Das Schwierige daran ist, dass relativ schnell der Horizont
unter dem Flieger verschwindet und man bis zur Rückenfluglage
keinen Anhaltspunkt mehr hat. Daher den Kopf überstrecken und
auf den Ho-rizont warten. Im Rückenflug kann die Querlage korrigiert
werden und man sollte auch den Ruder-druck wieder etwas nachlassen,
damit der Looping rund wird „sunst wird’s a Zwetschk’n“
(Zitat Zei-ler). Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung hängt
man beim richtig geflogenen Looping niemals in den Gurten, sondern
man wird auch im obersten Punkt durch die Fliehkräfte in den
Sitz gepresst. Der Abwärtsteil ist ähnlich wie beim Ausleiten
des Trudelns: hohe g-Kräfte, nur Gegend zu sehen, die Felder
werden wieder größer und die Windgeräusche lauter.
Turn: Einleiten wie beim Looping, nur lassen wir
die Fox in der Senkrechten nach oben schießen. Das hört
sich leichter an als es ist, da man die exakte Lage nur beurteilen
kann, wenn man links und rechts seitlich aus dem Cockpit schaut. Die
Geschwindigkeit und das Fahrtgeräusch werden aber schnell ge-ringer
und man muss den richtigen Zeitpunkt finden, um in das Seitenruder
zu steigen, damit der Flie-ger um die Flächenspitze dreht und
wieder senkrecht nach unten fliegt. Ist man zu früh, dann schiebt
das Flugzeug nach oben und dreht sich nur widerwillig und ist man
zu spät, dann dreht es überhaupt nicht und fällt nach
vorne oder nach hinten in ein Männchen. Ich bin etwas überrascht,
dass ich es ganz gut getroffen habe und vergesse fast, dass ich die
Drehung mit Gegenseitenruder wieder stoppen muss. Das Ausleiten aus
dem senkrechten Sturzflug nach unten ist wie beim Trudeln.
Ich fliege das Programm wie vorgesehen, bis 500 m gehen sich noch
ein oder zwei Loopings aus und wir gleiten die restliche Höhe
bis zur Landeposition ab. Dabei habe ich endlich Zeit, um die erlebten
Eindrücke zu verarbeiten und bin selbst erstaunt, dass ich während
der ganzen Turnerei zu keinem Moment die Orientierung verloren habe.
Die Landung ist auch wieder eine neue Erfahrung für mich, da
wir entgegen der Pistenrichtung landen und bis zum Startplatz rollen
wollen, um die Zeit für das Zurückholen mit dem Traktor
zu sparen. Ich bin zwar schon in Nötsch mit Rückenwind gelandet,
aber nicht bei 15-20 kt und mit einer Anflugge-schwindigkeit von 140-150
km/h. Das macht in Summe etwa 180 km/h, mit denen die Piste auf uns
zukommt. Ich möchte die Geschwindigkeit etwas verringern, aber
Konrad meint nur gelangweilt „des passt scho so“ –
ich schätze, er ist in letzter Zeit zuviel mit Jets herumgeflogen.
Entgegen meinen Be-fürchtungen gelingt es uns aber ohne Probleme,
den Flieger abzubremsen und wir müssen sogar noch ein ganzes
Stück auf der Piste bis zum Startplatz rollen.
Zeit zum Durchatmen bleibt mir keine, da sofort Günter und Christian
angelaufen kommen und uns für einen zweiten Start umdrehen. Wir
fliegen das gleiche Programm und ich verbrauche relativ wenig Höhe
(Anfängerglück), so dass wir am Ende noch einige Loopings
und Turns anhängen können. Dabei muss ich aber feststellen,
dass mein Magen doch noch nicht an die Belastungen beim Kunstflug
ge-wöhnt ist und ich bin ganz froh, als wir endlich in 500m ankommen.
Vielleicht war auch das Martini-Gansl am Vorabend nicht so ganz die
richtige Vorbereitung auf den Kunstflug. Jedenfalls ist nach der Landung
meine noble Gesichtsblässe noch deutlich nobler, aber nach einigen
Minuten ist alles wieder im grünen Bereich und ich werde auch
an den folgenden Tagen keine Probleme mehr damit haben. |
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| Die fortgeschrittenen
Figuren |
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Wir machen etwas überraschend
doch recht schnell Fortschritte und nach einigen Flügen gelingt
es mir schon ganz gut, dass ich mit meinen Gedanken einen Schritt
vor der Fox bin. An die ungewohnten Belastungen gewöhnt sich
der Körper auch recht schnell und so beginnen wir schon bald
mit Figuren, die für die Kunstflugberechtigung gar nicht notwendig
sind:
Rollen: Rollen schauen von unten recht einfach aus,
sind aber gar nicht so einfach zu fliegen und wer-den umso schwieriger,
je langsamer die Drehgeschwindigkeit ist, da in den unterschiedlichen
Phasen mit dem Höhen- und Seitenruder gestützt werden muss.
Rückenflug: Man hängt in den Gurten und
sieht alles verkehrt (man sieht aber auch wesentlich mehr von der
Gegend). Dass das Höhenruder im Rückenflug verkehrt herum
funktioniert (ziehen = schnel-ler, drücken = langsamer) ist ja
noch einigermaßen verständlich, aber dass das Querruder
in Kurven gegen die gewünschte Richtung bewegt werden muss, ist
schon nicht mehr so einfach vorstellbar. Tipp von Konrad: Breitbeinig
hinstellen, den Kopf nach unten beugen und zwischen den Beinen durch-schauen,
so dass man die Welt wie im Rückenflug sieht. Tipp von mir: Macht
das heimlich (z.B. am Klo), da euch eure Mitmenschen sonst für
verrückt halten.
Rückentrudeln: Wird mit der Fox aus der Normalfluglage
eingeleitet. Im Gegensatz zum Normaltru-deln wird das Höhenruder
gedrückt und volles Gegenquerruder gegeben. Der Flieger überschlägt
sich und geht in ein stabiles Rückentrudeln. Das Ausleiten ist
ähnlich wie beim Normaltrudeln: Mit Gegen-seitenruder die Drehung
beenden und den Flieger genau senkrecht nach unten rausnehmen.
Männchen: Einleiten wie beim Turn, nur lassen
wir die Fox in der Senkrechten verhungern bis sie rückwärts
wieder nach unten fällt. Es wird totenstill im Cockpit und dass
man tatsächlich nach hinten fliegt, sieht man am Faden, der für
einige Sekunden nach vorne zeigt. Man darf nur nicht vergessen, die
Ruder zu „betonieren“, da sie sonst durch die verkehrte
Anströmung an die Anschläge knallen und wenn man alles richtig
gemacht hat, dann überschlägt sich der Flieger nach kurzer
Zeit auch in die gewünschte Richtung (nach vorne oder nach hinten).
Er pendelt etwas nach und fällt dann wie beim Turn senkrecht
nach unten raus.
Aufschwung: Halber Looping nach oben und aus der
Rückenfluglage eine halbe Rolle in die Normal-fluglage.
Abschwung: Aus der Normalfluglage eine halbe Rolle
in die Rückenfluglage und anschließend ein halber Looping
nach unten. Man muss nur darauf achten, dass man nicht zu schnell
in den Looping geht, da sonst am unteren Ende die Höchstgeschwindigkeit
überschritten wird.
Kubanische Acht: Eine sehr schön zu fliegende
Figur, die aus einem 5/8-Looping (bis zum Rücken-flug mit 45°
nach unten) und einer halben Rolle mit anschließendem Hochziehen
in die Waagrechte besteht. Danach werden die gleichen Figuren in der
Gegenrichtung geflogen.
Gerissene Rollen, gestoßene Rollen, Negativlooping:
Da hat mir der Regen einen Strich durch die Rechnung gemacht, aber
ich hoffe, dass ich diese Figuren im nächsten Jahr fliegen kann.
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| Die Videos |
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| Rolle |
Männchen |
Rückentrudeln |
Showfigur |
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| Der "Agyptische
Köpfler" |
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Für alle, die mit dem
Lesen bis hierher gekommen sind, kommt jetzt die Auflösung für
die Frage in der Überschrift:
Der „Ägyptische Köpfler“ ist eine noch geheime
Kunstflugfigur, die weltweit zum ersten Mal von Christian Vohryzka
im Rahmen unserer Kunstflugausbildung geflogen worden ist. Konrad
hat eine Show-Figur im Programm (auf einem der Videos zu sehen), bei
der er senkrecht nach oben eine geris-sene Rolle fliegt. Die Fox überschlägt
sich dann mehrmals über alle 3 Achsen und fällt irgendwie
wie-der senkrecht nach unten raus. Christian wollte das auch probieren,
nur hat er das mit der gerissenen Rolle nicht so richtig verstanden
und ist vermutlich so etwas ähnliches wie eine gestoßene
Rolle geflo-gen. Konrad dürfte doch einigermaßen überrascht
worden sein und er kann daher den weiteren Ablauf der Figur nicht
mehr vollständig rekonstruieren. Auf jeden Fall hat die Figur
von unten sensationell ausgesehen. Blöderweise habe ich die Videokamera
nicht zur Hand gehabt, und deswegen werden die physikalischen und
aerodynamischen Vorgänge bei diese spektakuläre Figur wahrscheinlich
nie wirk-lich ganz geklärt werden können.
Falls Ihr irgendwann einmal erfahrt, dass Konrad Kunstflug-Weltmeister
geworden ist, dann könnte es sein, dass er doch noch einige Zeit
an diese Figur heimlich herumgebastelt hat. Übrigens, die Bezeich-nung
„Ägyptischer Köpfler“ wurde von unserem Fast-Hauptberufs-Betriebsleiter
Georg Pohl erfunden
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| Das Wetter |
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Das Wetter ist zwar nicht
berauschend, aber wir können immerhin an 7 Tagen fliegen. Der
Wind ist meistens für uns Segelflieger am Limit (15-20 kt) und
die Bewölkung ist auch fast immer 8/8, aber mit ausreichender
Basis. Nur an 2 Tagen müssen wir wegen zu starkem Seitenwind
pausieren. Blöderwei-se ist gerade an einem dieser Tage Konrad
beruflich unterwegs und Martin, der Ersatzfluglehrer kommt umsonst
von der Steiermark zu uns nach Stockerau.
Die Temperatur erreicht auch mittags kaum 5°C und im Schlepp auf
1200 m wird es noch deutlich kälter. Die Fox dürfte aber
so etwas wie eine g-Kraft-Heizung (je mehr g-Kräfte umso wärmer
wird es im Cockpit) haben, aber ich bin noch nicht drauf gekommen,
wo sie eingebaut ist.
An einem Morgen scheint mir schon beim Aufwachen die Sonne ins Gesicht,
ich schau beim Fenster raus: strahlend blauer Himmel, keine Wolken
und kein Wind. Ich eile zum Flugplatz, aber je näher ich nach
Stockerau komme, umso dichter wird der Nebel und am Flugplatz sieht
man von der Straße nicht einmal die Gebäude. So gegen 11:00
löst die Sonne den Nebel auf und wir bereiten die Fox für
den Start vor. Unglücklicherweise steht die Schleppmaschine in
Tulln und dort bleibt der dichte Nebel noch bis 13:30 hängen.
Dafür entschädigt uns der anschließende Schlepp über
die Inversionsschicht mit einer traumhaften Sicht und wir trudeln
in den Dunst der Inversion hinein.
Die letzten Tage gehen dann noch im Regen unter und Konrad vereinbart
mit seinen steirischen Ver-einskameraden, dass die Fox noch einige
Tage länger in Stockerau bleiben kann, was aber letztendlich
auch nichts mehr bringt.
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| Kunstflug
und Sicherheit |
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Zwei auf den ersten Blick
unvereinbare Begriffe. Trotzdem finde ich dass seriös betriebener
Kunstflug nicht gefährlicher ist als das „normale“
Fliegen, wenn man einige Grundregeln befolgt: ·
Kunstflug nur mit einem geeigneten Flugzeug
(die Fox ist in der Luft praktisch unzerstörbar, solange man
die Höchstgeschwindigkeit beachtet)
· Nur zugelassene Figuren fliegen (mit der Fox kein Thema,
die ist sowieso für alles zugelassen)
· Keine neuen Kunstflugfiguren ohne einen erfahrenen Fluglehrer
(betrachtet die obigen Be-schreibungen meiner Eindrücke bitte
nicht als Bastelanleitung für Selbstversuche)
· Kein Kunstflug unter 500m über Grund
· Vor dem Kunstflug den Luftraum beobachten
· Kein Kunstflug bei starkem Flugbetrieb
· Kein Kunstflug bei thermischen oder turbulenten Wetterbedingungen
· Kein Kunstflug bei Müdigkeit oder nach Krankheit
· Kunstflug ist kein Mittel um Stress abzubauen
· Keine Figuren fliegen, vor denen man Angst hat
· Kein Kunstflug, um anzugeben (es schaut sowieso keiner zu)
· Kein Kunstflug ohne Berechtigung (sollte eh jedem klar sein)
Für das „normale“ Fliegen bietet die Kunstflugausbildung
zusätzliche Sicherheit: · Ungewohnte
Fluglagen, wie Rückenflug oder senkrecht nach unten, können
sicher bewältigt werden
· Das Trudeln wird beherrscht und der Gedanke daran führt
nicht mehr zu Schweißausbrüchen (zumindest solange man
genügend Luft unter dem Flieger hat)
· Hohe g-Kräfte sind vertraut
· Man fliegt wesentlich präziser
· Gerade die „verhungerten“ Figuren geben enorme
Sicherheit, da man auch aus diesen wieder in die Normalfluglage zurückkehren
kann
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| Was mir
sonst noch einfällt |
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Das unfreundliche Wetter
hat den Vorteil, das wir manchmal ganz alleine am Flugplatz sind.
Das muss man sich einmal vorstellen: Nur wir mit der Fox, die Schleppmaschine
und der Betriebsleiter, fast den ganzen Tag lang. Wir müssen
nicht aufpassen, dass wir einem Falken oder einer Cessna aufs Dach
fallen und beim Landen gegen den Wind gibt es auch keinen Stress mit
anderen Flugzeugen.
An so einem Tag kocht uns Georg Pohl sein berühmtes Krautfleisch
und wir testen es natürlich umge-hend auf Kunstflugtauglichkeit:
Es bleibt auch beim Rückentrudeln stabil im Magen liegen.
Einmal muss Konrad am Abend recht früh weg, da er beruflich noch
nach Genf und retour fliegt. Am nächsten Morgen erzählt
er uns, dass er einen manuellen CAT-III-Anflug in Genf geflogen ist.
Ich ziehe meinem Segelfliegerhut: Zuerst lässt er sich den ganzen
Tag lang von uns mit der Fox bei Tem-peraturen um den Gefrierpunkt
herumbeuteln und dann fliegt noch er bei Nacht und dichtstem Nebel
mit einem Linienjet voller gestresster Geschäftsleute quer durch
halb Europa.
Der Körper gewöhnt sich relativ rasch an die hohen Belastungen
beim Kunstflug, aber nachdem wir an 6 Tagen hintereinander geflogen
sind merke ich doch, dass der Hals und der Nacken ziemlich ver-spannt
sind. Immerhin fliegen wir am Ende der Ausbildung mit über 6g
positiv (meine 80 kg drücken mich dabei mit fast 500 kg in den
Sitz) und 3g negativ (ich hänge mit ca. 250 kg in den Gurten).
Christian Vohryzka versucht einmal eine kubanischen Acht mit einer
gestoßenen Rolle. Die Fox rotiert dabei aber so schnell um die
Längsachse, dass sie wieder in den Rückenflug geraten und
steil nach unten rasen. Konrad zieht die Fox bei fast 300 km/h und
7g wieder in die Waagrechte, wodurch Chris-tian in den zweifelhafte
Genuss eines „Gray-Out“ kommt, bei dem man kurzfristig
alles nur mehr schwarzweiß sieht. Nach der Landung sagt er nur
kurz „jetzt wa i ohne Konrad hin gwesn“ und er bleibt
den ganzen Tag noch ungewöhnlich ruhig und nachdenklich. Für
Günter Mayer und mich ist es doch beruhigend, dass auch „Hochleistungsfluglehrer“
(Eigendefinition Vohryzka) ihre, zugegebener-maßen recht hoch
liegenden, Grenzen haben. Die versuchte Figur ist nämlich ein
echter Hammer und Christian wird erst wieder so, wie wir ihn alle
kennen, nachdem er sie am nächsten Tag ohne Probleme fliegt.
Günter und ich werden die Figur aus verständlichen Gründen
gleich gar nicht versuchen.
Der Kurs war für drei Teilnehmer gerade optimal. Weniger bringt
nichts, da man nach den Flügen Zeit braucht, um alles geistig
und körperlich zu verdauen, außerdem ist es zu zweit auch
nicht so fad am Boden. Bei mehr als 3 Personen werden die Wartezeiten
zu lange. Die Wochenenden können wir für die Schulung sowieso
fast vergessen, da dann natürlich alle anderen auch mit der Fox
fliegen wollen.
Herzlichen Dank an alle Betriebsleiter und Piloten, dass es uns immer
möglich war, gegen die Pisten-richtung zu landen. Wir haben bei
über 50 Flügen kein einziges Mal den Traktor gebraucht,
um die Fox zum Startplatz zurückzuholen.
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| Der traurige
Abschluss |
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| Der Urlaub ist vorbei, die Fox
ist im Hänger verstaut und ich habe die unmenschliche Aufgabe
über-nommen, bei herrlichstem Flugwetter damit nach Niederöblarn
zu fahren. Glücklicherweise hat sich Mathias Seidl bereiterklärt
mitzufahren und er wischt mir unterwegs die Tränen aus dem Gesicht.
Et-was tröstend ist nur der Gedanke, dass wir auch im nächsten
Jahr wieder eine oder mehrere Kunst-flugwochen veranstalten werden.
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| Die Bitte
an den Vorstand |
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Verkauft das Familiensilber
und alles was sonst noch entbehrlich ist und besorgt uns eine Fox
!!!
Wir werden dann sicher nur mehr kunstfliegen und bestimmt nicht mehr
lästig sein. Wobei mir aber jetzt einfällt, dass die Remorqueur
mit ihren abgeknickten Flügeln beim F-Schlepp von hinten doch
wesentlich besser aussieht als unsere alte Morane .....
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| Resümee |
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Die Eindrücke beim
Kunstflug sind überwältigend: Die ganze Gegend rotiert vor
einem, wird bedroh-lich größer oder ist überhaupt
nicht zu sehen, die Kräfte auf den Körper sind enorm, die
Instrumente tanzen wie wild umher (wenn man Zeit findet, um drauf
zu schauen) und die Windgeräusche ändern sich innerhalb
von Sekunden von Totenstille (beim Turn oder Männchen) bis zur
Orkanstärke bei Ma-ximalgeschwindigkeit.
Wir Kursteilnehmer haben fliegerisch enorm vom Kunstflug profitiert
und diejenigen, die nur zum Spaß mit der Fox geflogen sind,
haben sicher auch einiges dazugelernt.
Konrad Zeiler ist ein absoluter Könner in der Fox (und bestimmt
auch im Falken, in einer Cessna, im Regionaljet und in der Boeing
777), er hat auch in den wildesten Situationen den Überblick
behalten und ich habe mich zu keinem Zeitpunkt mit ihm in der Fox
unsicher gefühlt.
Alle Beteiligten haben eine Riesen-Hetz gehabt („ägyptische
Köpfler“ usw.).
Wir alle sind, wie Konrad vorher angekündigt hat, Kunstflug-süchtig
geworden und werden sicher in dieser Richtung weitermachen.
Und die vielen F-Schlepps und Landungen in der an und für sich
toten Segelflug-Saison haben sicher auch keinem geschadet.
Ah ja, alle Kursteilnehmer (Günter Mayer, Christian Vohryzka
und ich) haben natürlich ohne Probleme die Segelkunstflug-Berechtigung
geschafft.
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