Segelfluglager 2002 in Nötsch
18.5. bis 4.6.2002
Bericht von Josef Reithofer

Die Teilnehmer:
Rudi Frenslich Herbert Kaschowitz Leo Schindler
Gitti Gibisch Günter Mayer Erich
Schüssler
Rainer Gottfried Karl Müller Gerhard Sobotka
Franz Havlicek Franz
Neubauer Peter Stoifl
Ferdi Höllerer Georg Neulinger Christian
Vohryzka
David Huber Josef Reithofer Konrad Zeiler
Da wir auch in diesem Jahr unser
Segelfluglager wieder in Nötsch durchgeführt haben, werde ich an dieser Stelle nur mehr über die Besonderheiten
von heuer berichten. Falls jemand an den allgemeinen Schilderungen über den Flugplatz oder den Segelflugbetrieb
interessiert ist, dann verweise ich
auf meinen Bericht vom Vorjahr.
Schon während des letzen Segelfluglagers war
uns allen klar, dass wir in Zukunft (mindestens) einmal pro Jahr ein Fluglager
durchführen werden. Im Winter wurde dann der Termin endgültig fixiert und nach
den guten Erfahrungen wurde Nötsch wieder als Ziel festgelegt.
Karl Müller hat sich bereiterklärt, auch
diesmal die Lagerleitung zu übernehmen und uns rechtzeitig in Nötsch
angemeldet.
Die Hänger waren praktisch reisefertig und
mussten nur zur Pickerüberprüfung, was durch die gründliche Vorbereitung von
Günter Mayer problemlos war. Am Donnerstag vor der Abreise haben wir die
Flieger zerlegt und auch das gesamte Zubehör und Kleinzeug ebenfalls in den
Anhängern verstaut.
Generell war die ganze Vorbereitung
wesentlich einfacher als im Vorjahr, wobei sich die Checklisten vom letzten
Segelfluglager als sehr nützlich erwiesen haben.
Unsere Flotte besteht diesmal aus insgesamt 8
Segelflugzeugen, da außer unseren 4 Vereinsfliegern (Twin-Astir, 2 Astire und
Ka-8) noch 3 Privatflugzeuge (Ventus von Frenslich/Schüssler, LS-4 von Höllerer
und L-Spatz von Havlicek) und die Fox aus Niederöblarn nach Nötsch überstellt
werden.
Da wir den Platz und die Leute vom Vorjahr
bereits gut kennen, fühlen wir uns vom Anfang an wie zuhause. Aber auch einige
von uns dürften einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben: Als sich Rudi
Frenslich, der einen Tag vor uns angereist ist, beim Betriebsleiter meldet,
mein dieser nur „A so, es seids de mit'n Havlicek"
Leider ist das Wetter nicht annähernd so
schön wie im Vorjahr.
Gleich nach der Anreise erwarten uns 2
Regentage und am 3. Tag können wir endlich Fliegen, aber schon nach kurzer Zeit
sehen wir wieder dunkle Wolken im Westen und können gerade noch vor dem Regen
landen. Der nächste Tag ist auch noch fliegbar, aber danach kommen wieder 6
Tage mit Überentwicklungen, dichter Bewölkung und Regen.
Erst ab Mittwoch der 2. Woche wird das Wetter
wieder besser, aber alles in allem sind in den 2 Wochen nur 7 Tage fliegbar.
Auch an den schöneren Tagen
herrscht meistens ein starker Nord- bis Nordwestwind, der zu einer ausgeprägten
Leethermik führt. Die enormen Turbulenzen in Kammnähe bescheren den meisten von
uns eindringliche Erlebnisse wie schwebende Gegenstände im Cockpit und
Sinkwerte jenseits der 10m/s. Sogar der kunstflugerprobte Günter Mayer beendet
einen dieser Flüge nach ca. l Stunde freiwillig.
Bedingt durch die lange
Schlechtwetterperiode ist an den schöneren Tagen der Andrang am Start enorm.
Der Fronleichnamstag ist der erste wirklich gute Tag und daher warten am Morgen
außer den 25 Gastflugzeugen auch noch ca. 15 einheimische Segelflieger auf die
2 Schleppmaschinen. Insgesamt werden an diesem Tag 79 F-Schlepps durchgeführt
(Leute, stellt euch das mal in Stockerau vor). Das Gemetzel am Dobratsch ist
natürlich auch dementsprechend (bis zu 10 Segelflugzeuge im gleichen Aufwind)
und als Draufgabe haben die Streckenflieger vom Alpen-Adria-Cup, der zur
gleichen Zeit in Feldkirchen stattfindet, ihre Aufgaben so gestellt bekommen,
dass auch sie bei uns durchfliegen müssen. Es ist schon recht eindrucksvoll
mitanzusehen wie diese Typen in beängstigend geringer Höhe mit ihren
Segelflugzeugen unter uns durchzischen.
An einem anderen Tag mit ähnlichem Betrieb
meldet sich plötzlich ein Notarzt-Hubschrauber am
Funk und ersucht alle
Segelflugzeuge den Dobratsch zu verlassen, da er einen abgestürzten Paragleiter
am Berg sucht Die ganze Aktion kostet allen einige hundert Höhenmeter und dann
stellt sich heraus, dass der Paragleiter aus eigener Kraft vom Berg wieder
weggeflogen ist.
Da durch die vielen
Segelflugzeuge in der Luft die Platzfrequenz doch recht stark belegt ist,
wechseln wir in unseren Flugzeugen meistens gleich nach dem Ausklinken auf eine
Drachenfliegerfrequenz, wo wir weitgehend ungestört miteinander funken können.
Wir haben für die Bodenmannschaft zwei Handfunkgeräte mit, so dass diese beide
Frequenzen abhören kann und immer weis, wo unsere Flugzeuge sind und was im
Platzbereich los ist.
Einmal besuchen uns Franz Bachmaier und
Matias Seidl mit einem Falken aus Stockerau, was uns aber am nächsten Morgen
einen großen Schrecken bereitet, da ein Kärntner Radiosender berichtet, dass
ein Motorsegler, der in Nötsch mit 2 Wienern an Bord gestartet ist, abgestürzt
sein soll. Beim sofortigen Kontrollanruf in LOAU hören wir mit Erleichterung,
dass unsere beiden Falken unversehrt im Hangar stehen. Vom Nötscher
Betriebsleiter und aus dem Internet erfahren wir später, dass tatsächlich eine
Katana in Nötsch gestartet und mit leeren Tanks bei Pöchlarn abgestürzt ist.
Da an den letzten Tagen das Wetter deutlich
besser wird, beschließen Christian Vohryzka, Herbert Kaschowitz und ich, dass
wir noch bis zum Eintreffen der
nächsten Kaltfront das
Fluglager verlängern wollen. Nach einigen Telefongesprächen mit unseren
Arbeitgebern (Herbert ist sowieso selbstständig) steht den schönsten Tagen des
heurigen Fluglagers nichts mehr im Weg. Als wir am Sonntagmorgen zum Flugplatz
fahren, trauen wir unseren Augen nicht: Außer unseren 3 Segelflugzeugen sind
alle anderen Gästeflieger abgereist und die einheimischen Piloten dürften
ähnlich wie auch in Stockerau am Sonntag bei ihren Familien Gutpunkte sammeln.
Zum Glück finden wir aber einen Schlepp-Piloten am Flugplatz und wir können
fast den ganzen Tag alleine am Dobratsch fliegen. Erst am späten Nachmittag
beginnen die einheimischen Segelflieger mit einem Doppelsitzer zu schulen.
Am Montag gesellen sich dann doch wieder 3
deutsche Segelflieger zu uns und mir gelingt zum Abschluss noch mein schönste
Flug während des gesamten Fluglagers.
Für den nächsten Tag ist bereits die nächste
Kaltfront vorhergesagt und weil sich schon am Vormittag die ersten CB's
bedrohlich aufbauen, beschließen wir die Flugzeuge in den Anhängern zu
verstauen und heimzufahren. Diese Entscheidung war goldrichtig, da bei der
Abfahrt bereits die ersten Blitze in Platznähe einschlagen.
Günter
Mayer, Christian Vohryzka und ich sind im Herbst von Konrad Zeiler mit dem
Kunstflug-Virus infiziert worden und daher hat Konrad bei der Vorbereitung
vorgeschlagen, die Fox aus Niederöblarn nach Nötsch mitzunehmen. Leider haben
wir wegen des schlechten Wetter und dem Dienstplan von Konrad nur an einem
einzigen Tag die Gelegenheit zum Kunstfliegen in den Alpen. Bedingt durch die
Entzugserscheinungen wegen der langen Pause ziehe ich voller Freude den ersten
Looping gleich mit ca. 6g (normal sollten 3-4g reichen). Aber bereits beim Turn
und beim Männchen stellen sich die ersten Probleme ein, da ich gewohnt bin, in
der Senkrechten durch einen seitlichen Blick zum Horizont die genaue Lage zu
kontrollieren. Aber dort wo in Stockerau in der Ferne ein gerade Linie ist, ist
in Nötsch nur eine zerklüftete Felswand und so fällt mir das Männchen entgegen
meiner Absicht nach hinten. Nicht weiter schlimm und da ich das Männchen bisher
nur nach vorne geflogen bin erhöht sich dadurch meine Kunstflugerfahrung um
eine weitere Figur.
In der 2. Woche kommt ein Kollege von Konrad
nach Nötsch und bietet uns an, dass er mit uns kunstfliegen könnte. Wegen des
starken Betriebs wäre das aber nur zeitig in der Früh (so zwischen 6:30 und 8:30) möglich, worauf wir aber
bei aller Liebe zum Segelkunstflug verzichten. Er beschließt dann, mit der Fox in der Thermik zu fliegen, was sicher
ähnlich pervers ist, wie mit einem
Ferrari einkaufen zu fahren.
Wetterbedingt
war unsere Kreativität beim Ausarbeiten von Alternativprogrammen deutlich gefordert:
Gleich am ersten Tag fahren wir nach
Slowenien, wo das Wetter aber auch nicht
viel besser ist. Die angehenden Streckenflieger
unter uns besichtigen an diesem Tag mögliche Außenlandeplätze bei Hermagor und
Kötschach-Mauthen, die sie aber
später beim Fliegen doch nicht benötigt werden.
An einem anderen Tag, der wegen dichter
Abschirmung nicht zum Segelfliegen brauchbar ist, erreichen wir nach
einer 2-stündigen schweißtreibenden Wanderung
vom
Parkplatz beim Plöckenpass über teilweise recht steile Steige den
Gipfel des kleinen Pal in 1867m Seehöhe, wo eindrucksvolle
Stellungen aus den Gebirgskämpfen zwischen Österreich und Italien
im 1.
Weltkrieg zu besichtigen sind. Dazu gibt es auch eine Ausstellung in
Kötschach-Mauthen, die wir an einem der folgenden
Tage besichtigen.
Zweimal gehen wir Kegel Scheiben, was sich
jedes Mal zu einem Riesenspaß entwickelt
(ich vermute, dass der Wirt zur Zeit die
Bahn wieder renovieren lässt) und an einem weiteren Regentag fahren wir nach
Villach einkaufen und gehen ins Kino.
Als
günstig erweist sich, dass die Camper unter uns den Campingplatz gewechselt haben. Der Bauernhof bietet zwar weniger
professionelle Anlagen als der
größere Platz direkt daneben, aber dafür stellt uns der Bauer eine große Scheune zur Verfügung und versorgt uns
laufend mit hochprozentigen Getränken, die nach der frustrierenden Wettervorschau im Internet auch meist in größeren Mengen konsumiert werden.
Gitti
Gibisch hat uns diverse Holzspielzeuge mitgebracht, von denen
aber eines trotz stundenlanger Versuche von Konrad Zeiler
und mir bis zum Schluß nicht aufgelöst werden kann. Für Außenstehende muss
unsere Beschäftigung damit recht eigenartig aussehen und jemand
von uns sagt einmal „Wir schau'n aus wie ein Ausflug einer geschützten Werkstätte" (siehe
Foto). Ich befürchte, dass Konrad
auf den vielen Linienflügen im Cockpit des
Lauda-Air-Jets an den ungelösten Spielzeugen weiterarbeiten wird, aber hoffentlich sehen ihm seine Passagiere dabei nicht zu.
Rudi Frenslich versucht an einem dieser
verregneten Tage das Glühbirnchen einer
Auto-Leselampe mit noch dazu unpassendem
Installateurwerkzeug (siehe Foto) zu reparieren. Geschafft hat er es wie nicht anders erwartet natürlich nicht, aber
er hat uns anderen dadurch für ca. 2 Stunden eine köstliche Unterhaltung geboten.
OE-5578
|
G-103 Twin-Astir |
16
Starts |
23h |
OE-5382
|
G-102 Astir |
14
Starts |
31h |
OE-5226
|
G-102 Astir |
16
Starts |
27h |
OE-0731 |
Ka-8 |
12
Starts |
19h |
OE-5666 |
MDM-1 Fox (Zeiler) |
4
Starts |
1h |
OE-0362
|
L-Spatz (Havlicek) |
2
Starts |
6h |
OE-5411 |
Ventus (Frenslich & Schüssler) |
10
Starts |
41h |
D-1387 |
LS-4 (Höllerer) |
10
Starts |
26h |
|
Gesamt: |
|
84
Starts |
174h |
Beachtlich sind die Leistungen unserer Streckenflieger: Rudi Frenslich
hat mit 7 gewerteten Flügen insgesamt 1700
km erreicht und Erich Schüssler mit 4 Flügen 1100 km.
Rudi hat mit seinem Ventus einen 460km-Flug nach
Südtirol geschafft und ist am vorletzten Tag im Segelflug bis Stockerau
heimgeflogen. Seinen Logger dürfte er mittlerweile auch einigermaßen in den Griff bekommen haben, denn
entgegen unseren Befürchtungen sind alle seine
Flüge dokumentiert worden.
Christian Vohryzka und Herbert Kaschowitz (mit
der Ka-8) haben Streckenflüge bis nach Laas über eine Gesamtstrecke von ca.
100km erfolgreich beendet.
Karl Müller ist wie schon im Vorjahr fast nur im
hinteren Cockpit des Twin-Astir gesessen und hat den angehenden Segelfliegern
Stoifl, Neulinger, Gottfried und Huber einen ersten Eindruck vom Segelfliegen in den Bergen gezeigt. Ich
möchte Karl an dieser Stelle im Namen aller danken,
da es nicht selbstverständlich ist, dass jemand im Urlaub seine eigenen
Interessen hinten anstellt und die
Verantwortung auf sich nimmt, noch unerfahrene Flugschüler nur wenige Meter von der Wand entfernt Segelfliegen zu lassen.
Nötsch ist mittlerweile für uns fast wie ein 2. Heimatflugplatz
geworden. Wir kennen die Betriebsleiter,
Schlepp-Piloten und die einheimischen Segelflieger. Ich denke aber auch, dass
wir bei den Nötschern inzwischen gern
gesehene Gäste sind.
Obwohl das Wetter an 7 Tagen schlecht war haben wir trotzdem immer
unseren Spaß gehabt, was vor allem für die
Kameradschaft innerhalb unserer Segelfliegergruppe spricht.
In den wenigen fliegbaren Tagen sind wir erstaunlicherweise mit den
Vereinsfliegern um 10% mehr geflogen als im
Vorjahr in 14 Tagen, was aber darauf zurückzuführen ist, dass mit Christian Vohryzka und Gerhard Sobotka zwei recht
ausdauernde Segelflieger mehr dabei gewesen sind.
Alle Piloten und Flugzeuge sind wieder heil
zurückgekommen und außer zwei altersschwachen Campingsesseln wurde nichts zerstört.
Unser aller Dank gilt besonders Lilli Frenslich und Sabine Höllerer,
die uns mit Köstlichkeiten aus der Camping-Küche
kulinarisch verwöhnt haben.
Wir alle sind
uns einig, dass wir auch nächstes Jahr
wieder nach Nötsch fahren werden.