Seit mehreren Jahren habe
ich diesen Flug bereits im Kopf. Für Streckenflieger keine wirkliche
Distanz ca. 250 Kilometer Luftlinie, aber für mich doch ein Unterfangen
mit erheblichem Adrenalinausstoß.

Die Vorbereitungen sind bereits mit dem genauen Wetter vom 16. 05. also
dem Vortag ins Rollen gekommen. Der 17. 05. verspricht bei noch nicht
all zu hoher Gewitterneigung im Hauptkammbereich gute Bedingungen. Die
Bereiche südlich und nördlich des Hauptkammes sind einerseits,
südseitig von einer aufkommenden stabilisierenden Südströmung,
und andererseits, nordseitig im Raum LOAU, durch eine noch sehr stabile
Luftmasse gekennzeichnet.
Von den Voraussetzungen war einmal klar, späte Startzeit und einen
langen Schlepp Richtung Pernitz einplanen zu müssen. Mit Wolfgang
steht mir ein bekannt stoischer Typ zur Verfügung, von dem mir auch
klar war, dass er wegen der Schleppdauer nicht gleich sagt " Da kannst
ja besser gleich mit dem Motorflieger nach Klagenfurt fliegen."
So gegen 10:45 erste von LOAU aus sichtbare Bummerln in Richtung Schneeberg.
Den Wolfgang ersuche ich um eine Startzeit so gegen 11:30. Um 11:44 heben
wir dann Richtung Alpenvorland ab. Der Schlepp führt uns in beängstigend
ruhiger Luft an Tulln vorbei zum Schöpfl und von dort zu den bereits
gut entwickelten Bummerln im Bereich Kieneck wo ich gegen 12: 15 Wolfgang
dankend verlasse.
Der Flug führt jetzt über den Rohrer Sattel hin zum Gföller
von dort bereits mit Basishöhen um 2800NN weiter Richtung Bürgeralpe.
Direkt vor Mariazell erstmals Basis über 3000NN. Damit bin ich einmal
in der Lage vom Zeller Hut westlich an der Kräutnerin vorbei auf
die Messnerin zu fliegen und dort der wunderbare Blick auf den Grünen
See bei Oberort. Geographisch ist bei diesen Sichten und der doch vorhandenen
Kenntnis dieses Bereiches aus meiner Klagenfurter Zeit kein Problem, die
Wettersituation entspricht beziehungsweise übertrifft eigentlich
die Erwartungen. Es ist zwar feuchter als erwartet, zu der frühen
Zeit in der ich im Mariazeller Bereich war sind aber noch keine Überentwicklungen
vorhanden. Erst viel später im Kärntner Raum klagen einige andere
Segelflieger über Schauerbildungen in Bereich Mariazell, Hochschwab.
Seit Mariazell habe ich im Übrigen bereits mit AH, das ist der Armin
Haberl aus Klagenfurt Funkkontakt, der mir durchwegs positive Meldungen
für meinen Flugweg gibt.
Weiter über den Präbichl zum Eisenerzer Reichenstein und zur
Messnerin. Im Geradeausflug kaum unter 140km/h, und bei Bärten mit
durchschnittlich 3m/s macht das Streckenfliegen enormen Spaß. Die
Strecke Richtung Trieben fliege ich bis zum Zeiritzkampel auf der Nordseite
und quere dann bei Gaishorn Richtung Hohentauern. Jetzt bin ich schon
fast zu Hause. Ab hier geht sich noch ein Schwenk nach Westen bis zum
Schießeck aus. Dann aber Kurs Süd nach Klagenfurt. Bis hier
her hatte ich immer Höhen zwischen 2600NN und 3100NN gehalten, die
sinkende Landschaft Richtung Klagenfurt erlaubt jetzt einen geraden Anflug
Stolzalpe, Strassburg, St. Veit, wo ich mich wie ein "Großer"
als OE-5658 auf einem Sichtflug von LOAU nach LOWK mit dem Ersuchen zum
Einflug über die Sichtflugstrecke St. Donat zwecks Landung in Klagenfurt
anmelde.
Die Landung in Klagenfurt erfolgt um 13:13loc.
Nach kurzer Rauchpause wie versprochen die Landemeldung in LOAU, wo sicher
auch die Freude nicht mit dem Hänger ausrücken zu müssen
entsprechend groß sein dürfte.
Rückblickend ist dieser Flug für mich von größerer
Bedeutung als manch ein weiterer Flug mit dem Segler. Die Brücke
zwischen meiner alten und neuen fliegerischen Heimat im Segelflug herzustellen
ist einfach etwas ganz besonderes gewesen.
PS.: Der Rückflug war dann am 18. 05. höchst unkompliziert mit
der Tyrolean. Abflug KLU 18:20, Ankunft VIE 19:10.
GAGL
OE-5658
Fritz
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