| Samstag 22. 06. LOAU.
Christian hat sich, ohne daß ich es bemerkt hätte am PC hinter
mich gestellt und meinen Ausführungen zum Wetter gelauscht.
Da ich bereits seit längerem keinen Streckenflug mehr gemacht habe,
ist bei meiner Auslegung eine gehörige Portion Optimismus dabei,
aber das kann ja nicht schaden. Wir entscheiden uns mit dem Twin Astir
eine Strecke zu probieren. Der Rudi wie immer leicht anzustecken ist bereits
fast in der Luft, wenn nicht immer die lästigen Eingaben in seine
Streckenflugrechner wären. Rudi hat sich gleich 500 km vorgenommen,
die aber letztendlich auch zu viel für den Tag werden.
Wir starten um 12:36 im Logger ist eine "freie Strecke" eingegeben.
Bei mühsamen Basishöhen von 1200NN - 1400NN im Raum LOAU ist
die Entscheidung überhaupt auf Strecke zu gehen schon schwierig.
Bis Langenlois, wo wir uns dann auf 800NN wiederfinden, steigt bei Christian
eher der Verdacht mit einem Draufgänger unterwegs zu sein, der entweder
die falsche Brille auf hat, oder bei dem der Höhenmesser falsch eingestellt
ist. Aus meiner Sicht geht es zwar schlecht, aber es geht. Die Aufwinde
sind von unten schlecht zu zentrieren und gewinnen erst knapp unter der
Basis an Zugkraft. Via Gars am Kamp, Horn, Mödring sind wir dann
am Horner Wald, der offenbar kurz vor unserer Ankunft abgeregnet hat und
gerade wieder aufbaut. Hier ist gut zu beobachten wie schnell bei einem
entsprechenden Gradienten und entsprechenden Temperaturen die Entwicklung
wieder beginnt. Die Steigwerte bleiben aber nach wie vor unter den Erwartungen.
Schöne Wolken aber eben nur zum anschaun.
Hier treffen wir die Entscheidung zurück nach LOAU zu fliegen. Der
Versuch beginnt noch ganz brauchbar. Am Horner Wald 1600NN zurück
ins Kamptal, hier bereits eher wenig bis nix. Querung von Gars Richtung
Mannhartsberg noch immer nix. Weiterflug Richtung Langenlois schon gar
nix. Dann geht’s rasch. Der letzte aussichtsreiche Bummel zieht
wie die vorangegangenen auch nicht. Die Entscheidung zur Landung ist gefallen.
Den vorerst ins Auge gefassten Acker verwerfe ich im Queranflug, der ist
mir zu knapp bei der Straße. Dahinter ein wunderschönes grünes
Feld. Als nicht Agrarier ist mir noch nicht klar was in den nächsten
Sekunden über uns zusammenschlagen wird. Der Sporn raschelt bereits
in den Pflanzen, wir fliegen aber noch immer. Grün beruhigt. Voll
durchgezogen setzten wir mitten in den Sonnenblumen auf. Vor uns GRÜN,
neben uns GRÜN, über uns GRÜN. Das Gesicht vom Christian
kann ich nicht sehen aber wahrscheinlich auch GRÜN.
Der hupft gleich aus dem Flieger und beginnt Fotos
von unserem Flurschaden zu machen. Der Flieger steht 20 Meter von der
Straße in einem mit 140cm hohen Sonnenblumen bewachsenen Feld. Wenigstens
davon rollen kann er uns nicht.
Der erste Schaulustige, die ersten Fragen. Is ihnan die Luft ausgangen?
Warum haben’s den den Motor nicht eingeschalten. Aber wo Schatten
ist da ist auch Licht. Der Frager ist Mitglied der freiwilligen Feuerwehr
Hohenwart. Er fragt ob er helfen kann. No Na. Was kost’s. Nachdem
er darauf nicht schnell genug antwortet biete ich eine Kiste Bier für
die Mannschaft wenn sie uns bei der Zerlegung und Schleppung des Twins
aus dem Acker hilft.
Keine 10 Minuten später kommt ein Einsatzfahrzeug und der Löschzug
mit Blaulicht daher. Zum Teil im Unterleiberl zum Teil mit Helm und Montur
stehen 10 Mann der Feuerwehr Hohenwarth unter unserem Kommando.
Ein echtes Gottesgeschenk bei der Hitze. Bei 33
Krügerln im Schatten tragen die Mannen gemäß unseren Anweisungen
die Flügel und den Rumpf zur Böschung am Straßenrand.
Den Rest haben wir bereits erledigt. Es ist ja doch ein ungewöhnlicher
Einsatz. Motivation ist alles und so wechseln auch die Euros fürs
Bier den Eigentümer.
Gitti mit dem Rest ist auch bereits im Anrollen.
Die Verladung im Hänger und der Rücktransport verlaufen durch
die "Nötschgeprüfte" Mannschaft perfekt. Außenlandungen
mit dem Twin sind ja nur dann möglich, wenn die Infrastruktur so
passt wie bei uns. Der Günther und der Herbert verkürzen unsere
Heimreise durch sicher gutgemeinte aber ebenso unnötige Ratschläge.
Danke, aber nächstes Mal holen wir Euch.
Christian + Fritz
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