Der
erste Streckenflug:
Beginnend
mit den ersten Sonnentagen muss es selbstverständlich werden, eine Überprüfung
und Auffrischung der eigenen Fähigkeiten durchzuführen. Mindestens zwei Platzrunden
mit dem Flieger mit dem ich auf Strecke gehen will und die Landung in ein 20m
Feld. Wenn in der abgelaufenen Saison wenig geflogen wurde, empfehle ich zumindest
5 Stunden im Platzbereich zu kurbeln. Training ist das ganze Leben.
Dann kommt
der Supertag. Gelassen, ausgeschlafen, gut gelaunt, geputzter Flieger, also
alles klar? Leider nein, es ist nämlich Montag. Leider sind oft die besten Tage
aus Zeitgründen nicht fliegbar.
Umgekehrt
deto. Regen bis zum Boden, Nebel dass die Vögel zu Fuß gehen aber ZEIT und LUST.
Achtung hier liegt gegenüber unseren Familien die Möglichkeit zum Punktesammeln.
Gerade die Tage an denen Fliegen eingeplant war und dann nicht möglich ist können
zu Hause als Familientage gebucht werden.
Aber
jetzt:
Bereits
am Abend vorher Wetterinfo und Schlepppiloten organisieren. Dem Schlepppiloten
grundsätzlich bekannt geben wann ich ihn brauche mit der Zusage ihn anzurufen
sollte etwas dazwischenkommen. Checkliste, was muss ich alles am Flugplatz mithaben.
Am besten schon jetzt, bitte nicht die Jause, alles vorbereiten. Landkarte,
Dokusystem, Batterie. Wetterinfo bereits zu einer groben Streckenplanung verwenden.
Die Planung der tatsächlichen Strecke erfolgt erst in der Früh am Flugtag.
Mentale
Einstimmung auf einen Flugtag gemäß dem Motto " Die Vorfreude ist die schönste
Freude "
Der große
Tag:
Zeit nehmen
zur Vorbereitung beginnt schon zu Hause. Früh genug am Platz sein bedeutet für
mich mindestens zwei Stunden vor dem geplanten Start. Ausreichend Trinkflüssigkeit
mitnehmen. Für 5 Flugstunden zumindest 0,75 Liter.
- Am Platz
möglichst früh alle organisatorischen Vorbereitungen abschließen. Flugzeug
zum Start ziehen und checken, Bordpapiere, Sitzprobe, Funk, Jausenbeladung,
Dokusystem. Wenn die Kamera an der linken Cockpitseite angebracht ist muss
sie am Boden so justiert werden, dass die Flächenspitze im linken oberen Sucherausschnitt
sichtbar ist. Rechts eben umgekehrt. Barograph aufgezogen, Papier eingespannt.
ELT auf Stand By geschaltet.
- Anhängerpapiere,
Zündschlüssel, Fahrzeugpapiere dem Rückholer übergeben. Wetterübersicht einholen,
Strecke planen, die richtigen Landkarten müssen vorhanden sein, Dokumentation
vorbereiten trinken, essen und Lu Lu.
- Immer auf
das Platzwetter achten, danach richtet sich die Startzeit. In LOAU hat sich
realistisch keine Startzeit vor 10:00 Lokal erwiesen.
- Schlepppiloten
bereits auf den gewünschten Schlepp vorbereiten. Wohin solls gehen wie
schnell. Alle GFK Flieger 120km/h Schleppgeschwindigkeit.
- Start wie
jeder Start. Vorher Barograph einschalten und festzurren. Dann in Ruhe anschnallen
und Absitzen starten. Der Erste Bart nach dem Ausklinken beruhigt ungemein.
Also, gleich so schleppen lassen, dass es einfach möglich ist einzukurbeln.
- Der Flugweg
muß sollte eine Wertung gewünscht sein entweder fotografiert werden oder durch
einen Logger automatisch aufgezeichnet werden.
- Zielrück:
Abflugpunkt in die Richtung des Wendepunktes. Der Abflugpunkt muss unter
der Flächenspitze im Fotosektor sein. Wendepunkt in Richtung des Abflugpunktes.
Der Wendepunkt ist wieder unter der Flächenspitze im Winkel zwischen Fläche
und Cockpit zu platzieren.
- Dreieck:
Abflugpunkt in Richtung erster Wendepunkt, erster Wendepunkt in Richtung
Dreiecksmitte, zweiter Wendepunkt in Richtung Dreiecksmitte. Endpunkt =
Abflugpunkt in Richtung letzter Wendepunkt.
- Logger.
Einfach die Gebrauchsanweisung durchlesen und dem jeweiligen Gerät entsprechend
verfahren. Einschalten nicht vergessen.
- Jetzt gehts
los. Ausgeklinkt und schon wissen wir nicht mehr wo wir sind oder? Vor dem
ersten Foto versuche ich immer bereits einen Bart auszukurbeln. Dabei kann
ich bereits eine erste Beurteilung des Tages und eine Planung über den Anflug
des Abflugpunktes durchführen.
- Während
des Fluges sollte man generell immer wissen wo man ist. Karte und Bodennavigation
sind dem GPS vorzuziehen. Die Standortfrage ist im Flachland von etwas geringerer
Bedeutung als im Gebirge wo Außenlandungen doch genauer zu planen sind. Immer
den Luftraum gemäß den geltenden Bestimmungen befliegen. Nicht zu funken ist
die sicherste Möglichkeit andere zu gefährden.
- Die Instrumente
sollten gemäß deren Möglichkeiten genutzt werden. NO NA.
- Höhenmessereinstellung
immer NN. Die Höhenangaben der Landkarten richten sich gewöhnlich nicht
nach der Höhe des Startortes außer der Standort liegt auf 0 Meter MSL.
- Das Variometer
ist unser Drehzahlmesser. Das akustische Vario ist beim Anfliegen eines
vermuteten Aufwindfeldes super. Ich kann den Luftraum beobachten und dabei
mit den Ohren eine Veränderung in der auf oder ab Bewegung der mich umgebenden
Luftmasse wahrnehmen. Der Ton wird höher das Flugzeug steigt. Nach dem Einkurbeln
mit dem Zeigerinstrument den Bart zentrieren. Am Hang mit dem E Vario
Steigzonen abfliegen und den Augen am Hang bleiben. Auf Strecke nach Sicht
die vermutlich tragenden Linien abfliegen und mit den Ohren den Drehzahlmesser
abhören. Immer Luftraum beobachten.
- Fahrtmesser:
Eine gefährliche Aussage. Grundsätzlich das unwichtigste Instrument wenn
man Gefühl hat. Und das haben wir ja alle. Aber eben nur grundsätzlich.
Fahrt ist das ganze Leben. Dieser Spruch sollte ergänzt werden und lauten:
DIE RICHTIGE FAHRT IST DAS GANZE LEBEN. Die Minimalgeschwindigkeiten und Maximalgeschwindigkeiten
sind gemäß Handbuch zu kennen und einzuhalten. Regen und Mücken beeinflussen
ebenso wie die Steilheit des Kreisfluges die Randgeschwindigkeiten. Richtige
Geschwindigkeit ist immer wichtig, aber ich muss wissen was ist richtig.
- Der Funk
ist nicht zum berichten wie kalt oder warm es ist sondern um flugwichtige
Infos weiterzugeben.
- Der restliche
Schnick Schnack wenn vorhanden GPS Rechner, Transponder, muss so beherrscht
werden, dass Einstellungen und Schaltungen nicht im unkontrollierten Flug
mit Aufschlag enden.
- Das Wetter
ist unser Motor. Der kann nicht den ganzen Tag auf vollen Touren rennen. In
der Früh von 09:00 loc 12:00 loc wärmt sich der Motor auf. Die Steigwerte
werden immer besser, die Entwicklungen immer markanter. Höhepunkt des Tages
ist die Zeit zwischen 12:00 loc und 16:00 loc. In dieser Zeit geht es gewöhnlich
am besten. Wetterlagen in LOAU haben in dieser Zeit Steigwerte mit durchschnittlich
3m/s gebracht. Nach 16:00 bis Sun Set kühlt der Motor ab. Die Steigwerte werden
schwächer. Gerade am Abend können lokale Erscheinungen, in LOAU ist es der
Ostwind der ab 17:00 mit bis zu 10 Knoten einsetzt eine erfolgreiche Umrundung
verhindern. Der Tagesgang ist in die Flugplanung einzubeziehen. Wiederum Achtung
selten ist ein Tag ein Mustertag. Während des Fluges immer den Wind und die
Steigwerte der letzten Bärte sowie die Bewölkung beachten. Anzeichen zu Wetterveränderungen
sind je früher sie wahrgenommen werden und danach richtig beurteilt werden
flugentscheidend. Überentwicklungen, wenn sie nicht rechtzeitig als solche
erkannt werden lebensbedrohend. Umdrehen und den Flug abbrechen ist einer
Krampflösung immer vorzuziehen. WIR
FLIEGEN ZU UNSEREM VERGNÜGEN.
- Aberjetzt ist es passiert.
- Fern der
Heimat in Ameisenkniehöhe weit und breit kein Bummel. Einige Grundregeln
zur Außenlandung. Die Ameisenkniehöhe sollte bei ca. 350 Meter über Grund,
gilt nur in der Umgebung von LOAU, erreicht sein. Generell ist die Entscheidungshöhe
nicht festlegbar. Es wird immer die Flugaufgabe Grundlage dieser Entscheidung
sein. Ab diesem Zeitpunkt bricht bei ungenügender Vorbereitung leichte Panik
aus. Aber nicht bei uns. Souverän wird, da wir ja genau wissen wo wir sind
die
- bekannte
Landewiese angeflogen
- durch
zwei Kreise in der Position der Wind festgestellt
- dadurch
ist die Landerichtung vorgegeben
- Gegenanflug,
Queranflug, Endanflug, wie in LOAU
- Landung
Diese sehr generelle Darstellung ist der Idealfall. Realität ist, dass
die Auswahl der Wiese, die Landeeinteilung der Anflug immer im Einzelfall
zu beurteilen ist. Die Neigung des Geländes, der Wind, Hindernisse im
Anflug sind Gegebenheiten die keine generelle Darstellung zulassen. Es
gilt gemäß Lehrbuch:
Ø rechtzeitige, sprich hoch genug getroffene Entscheidung zur Landung
Ø an der getroffenen Entscheidungen fest-halten, das gilt selbstverständlich
nicht bedingungslos soll aber als Hinweis auf die zeitbedingte Problematik
einer kurzfristigen Änderung des ursprünglichen Planes hinweisen.
-
Nach
der Landung, "Herr Ober ein Bier", wenn nichts geschehen ist
und das ist ja meistens der Fall ist das sicher die erste und vernünftigste
Reaktion. Trotzdem vorher ist noch einiges zu erledigen.
- i.
Flugzeug sichern
- Sollte
die Landung härter als erwartet ausgefallen sein ELT Reset.
- In
LOAU anrufen und Landemeldung mit genauer Ortsangabe durchführen
- Gendarm
Papiere zeigen
- Bauern
beruhigen
- Schaulustige
einspannen das Flugzeug zu zerlegen. Das nur wenn ausreichend Unterlagen
zum Ablegen der Teile vorhanden sind und der Landeplatz zum Ablegen geeignet
ist.
- entweder
Bierholer einteilen oder selbst Bierholen und den stärksten Zuschauer
zum Oberbewacher befördern.
- Wenn
nicht bereits geschehen den Flieger oder dessen Teile zur Straße oder
dem Zufahrtsweg schieben oder tragen lassen der vom Anhänger mit Zugfahrzeug
befahren werden kann.
- Der
Oberbewacher hat darauf zu achten, dass die Rückholmannschaft nicht am
Landeort vorbeifährt
Durch
unser Können ist es uns gelungen in geringer Höhe einen Aufwind zu finden und
so konnte die Außenlandung vermieden werden. ACHTUNG geringe Höhe ist 150m/G
wenn der Bart über mindestens sechs Sekunden mit mehr als 1m/s zieht und das
Landefeld jederzeit wie vorausgeplant angeflogen werden kann. Unter 150m/G muss
der Aufwind schon so wegzischen, dass ich sicher bin wegzukommen. Nach so einem
Tiefpunkt, das soll ja öfter mal vorkommen schnell wieder sammeln und den Flug
mit neuem Elan, nicht an den Tiefpunkt denken, weiterführen. Der Endanflug nach
LOAU ist so zu planen, dass mit einer Höhe von mindestens 250 m/G in der Position
angekommen wird. Wenn sich das nicht ausgeht, soll ja auch schon vorgekommen
sein, dann ist über Funk alles aus dem Weg zu räumen und eine Direktlandung
durchzuführen. Sollte sich bereits in einem Umkreis von 15km um LOAU eine knappe
Situation abzeichnen dann zurück zu Punkt 11. Eine sichere Außenlandung ist
einer Landung im Wald, Landerichtung 25, bzw. der Untertunnelung unserer Piste,
Landerichtung 07, immer vorzuziehen. Wer den Schaden hat braucht für den Spott
nicht zu sorgen gilt nur für lebende Piloten. Bei toten Piloten gilt der Spruch
leicht abgewandelt. Wer den Schaden hat braucht die Biere nicht mehr selbst
zu bezahlen.
Nach der Landung, denn erst dann ist der Flug richtig beendet, Flieger ausräumen,
waschen, abdecken Batterie anschließen. Dokumentation beenden.
Und
jetzt ein Bier.
Checkliste
für den Tag davor
Äußere:
Verein: Schlepppilot, Sportzeuge, Weglasser.
Anhänger: Zulassung, Einbauten, Reifen, Licht
Flugzeug: technisch ok., Sitzposition, Dokusystem
Kann ich das Flugzeug abrüsten und in den Hänger verladen?
Wetter: genaue Beratung, im PC ACG Wetter.
Geografie: Flugplätze der Umgebung mit Frequenz und Pistenrichtung und Anflugverfahren,
Lufträume mit Höhen und Meldepunkten
Außenlandewiesen gemäß vorheriger Besichtigung
Eigene:
Zeit: sowohl vor als auch nach dem Flug
Lust: Arbeit bis zum Hals, schlecht gebumst, Frau meckert,
Gesundheit: Verkühlung schadet Luft und Ohr, Medikamente, Sprit = Alk
fliegerische Fitness: Übungsstand praktisch und theoretisch. Jedes Flugvorhaben
ist nicht am Können der anderen Piloten sondern an dem eigenen zu messen. Für
mich muss die gestellte Aufgabe ok sein.
Wien, im März 2000
Janach Fritz