Bericht von Josef Reithofer
Samstag, 6.10.2001, ca. 10:00: Vom Betriebsleiterkammerl aus sind im dichten Nebel nur schemenhaft einige Personen zu erkennen, die mit einem Kübel Kalk und Pinsel ausgerüstet eigenartige Markierungen auf die Piste 25 malen. Sie befestigen dann auch noch einen knallroten Luftballon im linken Sicherheitsstreifen. Einige von den komischen Typen tragen einen Tisch und mehrere Sessel über die Landebahn und stellen diese auf Höhe der versetzten Schwelle ebenfalls im Sicherheitsstreifen auf.
Als dann die gute alte Ka-8 bei immer noch dichtem Nebel mit dem Traktor zum Aufstellplatz am Ende der Piste 25 gebracht wird, wird allen Anwesenden schnell klar, dass die schlimmsten Befürchtungen eingetroffen sind: Die spinnerten Segelflieger veranstalten den seit Jahr angedrohten (und glücklicherweise mehrfach abgesagten) Ziellandebewerb.
So gegen Mittag löst die Herbstsonne den Nebel auf und es wird der schönste Tag der letzten Wochen mit viel Sonnenschein und fast keinem Wind.
Da unsere Morane wieder mal zerlegt in der Werft auf einige Ersatzteile wartet, haben wir eine Ersatz-Schleppmaschine aus Tulln organisiert. Die Piper PA-18 Super-Cub passt optisch und vom Alter wunderbar zur Ka-8 und zum Motorfalken. Unser alter Traktor rundet das Bild vom Fliegen wie in früheren Jahren perfekt ab.
Falls jetzt aber jemand etwas mitleidig über unser Fluggerät zu schmunzeln beginnt, möchte ich darauf hinweisen, dass die vielgeliebten Cessnas zur gleichen Zeit wie die Ka-8 entwickelt worden sind.
Ob die zwei Typen am Traktor (Herbert Kaschowitz und Günter Mayer) zum Bild der „guten alten Zeiten“ passen möchte ich an dieser Stelle nicht kommentieren.
Der Ziellandebewerb wird für Segelflieger und Motorsegler getrennt durchgeführt:
Geflogen wird mit dem roten Falken (OE-9280) und es gilt mit abgestelltem Motor die Schwelle möglichst genau zu treffen.
Je nach Entfernung zur Schwelle gibt es Schlechtpunkte und wer nach dem Addieren der zwei Wertungsflüge die wenigsten Schlechtpunkte hat ist der Sieger.
Gewertet wird das endgültige Aufsetzen des Fahrwerks auf der Piste (Es bringt also nichts, den Flieger vor der Schwelle auf die Piste zu knallen und zu hoffen dass man mit einem der nachfolgenden Hüpfern in der Nähe des Zielpunktes aufschlägt).
Das Ganze muss für Außenstehende ziemlich eigenartig aussehen, da meistens erst kurz vor der Landung jemand schreit „da Foik is do“ und dann die Schiedsrichter recht hektisch zu den Markierungen am Pistenrand laufen und sich erst nach einigen Diskussionen zu einer Bewertung entscheiden können.
Die Ka-8 soll nach der Landung möglichst nahe beim roten Luftballon zum Stehen kommen. Erschwerend kommt hinzu, dass Günther Aichinger das Bremsseil ausgehängt hat. Eigentlich wäre ja der Flieger so fluguntüchtig, aber auch ohne Bremsen steht die Ka-8 noch vor der Schwelle.
Der Abstand zum Luftballon wird ganz genau mit einem Maßband vermessen und die Summe der zwei Wertungsflüge ergibt dann das Endergebnis.
Die Chancengleichheit ist nicht ganz gegeben, da es bei uns ausgesprochene Ka-8-Spezialisten gibt, die den Flieger blind beherrschen (aber dann doch nicht gewinnen werden), einige sind damit schon sehr lange nicht mehr geflogen (die werden dann gewinnen) und wieder andere weigern sich bis heute, mit dem Flieger überhaupt zu fliegen.
Franz Havlicek ist mit dem Falken schon so auf die Landung konzentriert, dass er ganz darauf vergisst, den Motor vorher abzustellen. Er wird aber von den Preisrichtern gnadenhalber gewertet, da er mit dieser Landung sowieso nicht gewinnen wird.
Herbert Kaschowitz ist beim Rücktransport der Ka-8 zum Startplatz offensichtlich (zu Fuß) so schnell unterwegs, dass er das ungewollte Überqueren der Straße (durch die Massenträgheit?) nur mehr durch das beherzte Ziehen der Fallschirm-Reißleine verhindern kann (siehe Fotos oben).
Rudi Frenslich traut seinen Augen nicht mehr, als sich bei seiner Landung mit der Ka-8 plötzlich, wie von Geisterhand bewegt (oder war’s doch die von Christian Vohryzka mit einer langen Schnur), der Luftballon immer weiter von ihm entfernt. Nach unbestätigten Berichten sollen seine Augen dabei so groß geworden sein, dass sie fast nicht mehr ins Cockpit der Ka-8 gepaßt haben.
Günter Mayer, der sich standhaft weigert, mit der Ka-8 zu fliegen, macht zwei Schlepps mit einem Astir und gelangt irgendwie in der Wertung der Motorsegler, wo er (gemeinsam mit einigen anderen Piloten) den Ehrenpreis für die schlechteste Landung gewinnt. Ich schätze, wir müssen an unserer Wettbewerbs-Dokumentation noch etwas arbeiten.
Die Betriebsleiter habe es auch nicht gerade leicht mit uns, da durch die kurzen Startintervalle des Schleppzuges und einen Falken, der zusätzlich zur Ka-8 ständig mit abgestelltem Motor landet, doch für einigen Stress gesorgt wird. Dass dann auch noch (aus unserer Sicht) leichter Rückenwind aufkommt und zeitweise beide Pistenrichtungen in Betrieb sind, macht die Sache auch nicht gerade einfacher. Da aber von unserem Standpunkt am Rand des südlichen Sicherheitsstreifens das ganze Geschehen in der Platzrunde wesentlich besser überblickt werden kann als vom Betriebsleiter, können wir mit diesem gemeinsam einen sicheren Flugbetrieb durchführen.
Die Siegerehrung wird gemeinsam mit einem gemütlichen Saisonausklang in der Pizzeria „Castello“ durchgeführt.
Motorsegler (13
Teilnehmer): Segelflieger
(9 Teilnehmer):
1. Franz Bachmaier 15 Punkte 1. Christian Vohryzka 8,05 m
2. Christian Vohryzka 20 Punkte 2. Günther Aichinger 17,18 m
3. Günther Aichinger 25 Punkte 3. Rudi Frenslich 20,83 m
Für die Sieger gibt es Gutscheine vom Verein im Wert von 24, 49 und 74 Euro (für nächstes Jahr, da ja die heurige Segelflugsaison schon fast vorbei ist) und wertvolle Warenpreise von Matthias Seidl (der eigenartigerweise ganz froh ist, dass er selbst nichts gewonnen hat). Beide Sieger weigern sich, den Siegeskuss von Rudi Frenslich (wie immer unrasiert) anzunehmen.
Ehrenpreise in Form von Würsten gibt es für die am weitesten vom Zielpunkt entfernten Landungen. Der „glücklichen“ Sieger im Segelfliegerbewerb ist Ferdinand Höllerer (wobei aber erwähnt werden muss, dass es sein allererster Flug mit der Ka-8 war). Beim Motorseglerbewerb wurde von den Preisrichtern beschlossen, dass mehrere Piloten gemeinsam den Preis „verdient“ hätten, aber am Ende nimmt Günter Mayer die Wurst mit nach Hause, obwohl er eigentlich nur irrtümlich mit dem Astir in die Motorseglerwertung gelangt ist (ob bei dieser Entscheidung auch Alkohol mit im Spiel war lässt sich nachträglich nicht mehr feststellen).
Günther Aichinger gibt einen ausführlichen Rückblick über die vergangene Saison und verteilt auch Urkunden für den längsten Flug in der vergangenen Saison (Christian Vohryzka, 7,5 Stunden) und für die weiteste Strecke mit einem Vereinsflugzeug (Fritz Janach und der Verfasser dieses Berichts, 415 km mit dem Twin-Astir).
Wie üblich endet der Abend mit dem gemütlichen Zusammensein und wie schon beim Segelfluglager in Nötsch, dauert es komischerweise auch in Stockerau nicht lange, bis alle anderen Gäste das Lokal (fluchtartig) verlassen. Offensichtlich sind die nichtfliegenden Mitmenschen nicht sehr an unseren Fliegererzählungen interessiert.
Nach mehreren Absagen im Vorjahr wurde endlich ein Tag mit optimalem Flugwetter für den Ziellandebewerb ausgewählt. Alle Piloten haben bewiesen, dass sie auch auf kürzesten Landeplätzen landen können. Die Beteiligung hätte besser sein können, aber wenn alle gekommen wären, dann wäre es wegen des Nebels am Vormittag zum Abend hin doch noch recht eng geworden. Der Spaß stand im Vordergrund und die Wertung war eigentlich nur Nebensache.