Mittwoch - Januar - 07.01.2026 - 20:58 Uhr
» Falkenwandern Teil 4
Drei Flugplätze fehlen mir nach dem letzten Ausflug noch.
Reutte, St.Donath und Wr.Neustadt West.


Alles in allem sollte das noch eine Herausforderung werden. Reutte liegt ja nicht gerade ums Eck wenn man mit 130 kmh IAS unterwegs ist. Grobe Planung Tour Retour etwa 7 Stunden Flugzeit. Das soll ja nicht das Problem sein, wenngleich das Wetter sich schön langsam in's Herbstliche wandelt, bin ich guter Dinge.

Das wirkliche Problem ist, dass Reutte derzeit nicht so einfach mal schnell anfliegbar ist, man muss es sagen (ist ja auch auf der Homepage der Reuttener nachzulesen) es gab nach einem Unfall Troubles mit dem Flugplatzbescheid und die Wiederinbetriebnahme des Flugfeldes war ein durchaus langer und steiniger Weg. Derzeit ist nach Auskunft der Reuttener Homepage nur Betrieb für eigene Flugzeuge/Mitglieder möglich.
Als gelernter Ost-Österreicher werd ich mich da schon reinraunzen, "des wird schon geh".
Zum Raunzen brauchst einmal eine Telefonnummer, die war gar nicht so einfach zu eruieren, letztlich habe ich den Obmann der Reuttener erreicht und ihm mein Anliegen geschildert und gleich mal ordentlich darauf losgeraunzt, genutzt hat nix, es tut uns leid, geht nicht, Punkt.
Nachdenkpause, ha, klar, ich werd Mitglied in Reutte und dann geht's, neuerlicher Anruf, na so g'scheit waren andere auch schon vor mir, geht nicht, sorry, Punkt.

Kurz habe ich überlegt den Plan zu verwerfen, naja, wenn der Flugplatz gesperrt ist, dann kann man ihn nicht anfliegen, wäre ja zu verstehen, kann man schon als Entschuldigung nehmen nicht alle Flugplätze Österreichs angeflogen zu sein, andererseits das eigene Ego .....

Der nächste Anruf brachte einen Lichtblick, naja, wenn du Mitglied wirst und bei uns dann auf der 182 eine Flugplatz Einweisung fliegst, dann hättest ja alle Kriterien erfüllt. Wir reden im Vorstand und rufen dich an - der Sommer vergeht und der Herbst ist im Anzug und endlich bekomm ich einen Kontakt zu René, er kann mit der 182 fliegen (in weiterer Folge sollte ich sehen, er kann auch mit einem Airbus A350/380 fliegen) und dir die Einweisung verpassen.

Wir vereinbaren uns in Reutte zu treffen (also ich fliege nach Kempten mit der 9474, nehme mir ein Leihauto nach Reutte, mach die Flugplatzeinweisung mit der 182iger, fahr zurück nach Kempten und flieg dann mit dem Herrn Falken gegen Süden zur Landung in Reutte).
René nennt mir 2 Termine wo er Zeit hat und die Detailplanung des Ausfluges beginnt.

3 Stunden in eine Richtung No-Wind, puh, da muss ich aufpassen, eigentlich hart an der Endurancegrenze, speziell wenn man die Verfügbarkeit der scheinbar vielen südbayrischen Plätz checked und keine "Wochentags-offenen" findet. Da ist dann spätestens knapp vorm Chiemsee Schluss, und der sicher verfügbare Alternate liegt im Rücken, Ried-Kirchheim....
Achja, noch was limitierendes gibts, die Tage werden nicht nur herbstlich aufgrund des Sonnenganges kürzer, sondern auch wegen dem treuen Freund des Herbstes, dem Morgennebel. Also wird der kurze Tag noch kürzer wenn im Bereich Kempten sich zäher Morgennebel reinlegt. Die schnelle Anreise am Vortag der Einweisung stirbt ansatzlos, zwei Anreisetage brauchts schon. Einmal nach Vogtareuth, klass kann ich mir endlich mal Rosenheim ansehen und die Frau Stockl, Herrn Mohr und den Korbinian Hofer besuchen, tanken und am nächsten Tag dann nach Kempten oder vielleicht Füssen fliegen, welches sehr schön am Fuße von Neuschwanstein liegt und der nächstgelegene Flugplatz zu Reutte ist.
Etwa 10 Tage vor meinem geplanten Flug legt sich eine Wetterlage über Europa, welche den südbayrischen Raum mit Nebel anfüllt, allerdings nicht nur so ein bissl am Morgen, zäher Nebel, welcher manchmal garnicht, zummeist aber nicht vor 1300 aufgehen mag. Der erste Termin für mein Treffen mit René rückt näher und mit 5 Tagen Vorlauf zum Treffen will ich los, erster Tag Nebel, zweiter Tag Nebel, dritter Tag Nebel und net nur a bissl, defacto die ganze Strecke ist zu. Selbst die optimistischte Betrachtung sagt, "des wird nix".
Also Absage, Langzeitprognose: Nebel tagelang, ich beginne die Zugsfahrpläne zu checken wie ich mit der Bahn aus Eisen nach Reute zu meiner Einweisung komm, okay das hab ich dann doch verworfen, auch scheint sich die Großwetterlage endlich zu verändern, etwa 10 Tage später nächster Versuch, die Tag sind nicht länger geworden, aber der Nebel ein wenig weniger hartnäckig.

Ich fliege wieder mit 4 Tagen Vorlauf zum Termin los und schaff's in zwei Tagen nach Füssen. Nicht gerade Prachtwetter, aber durchaus fliegbar. Der Korbinian Hofer ist leider schon 2020 gestorben, die anderen Rosenheimcops finde ich auch nicht, dafür eine 1A Unterkunft direkt in Rosenheim.
Danke übrigens an die Betreibsleiter von Vogtareuth und Füssen welche meine "Betriebsleiter-muss-doch-sein" Einstellung mit ziemlicher Ruhe ertragen haben und mir erklärt haben, dass das bei ihnen nicht so ist. In ein entsprechendes BL-loses Konzept musste ich mich erst einlesen. By the way, Betriebsleiterlos bedeutet übrigens nicht, dass man dort einfach mal schnell hinfliegt und landet, ein "gewisser Formalismus" bleibt durchaus bestehen ......



Vogtareuth Füssen verläuft problemlos, Wunderbarer Flugplatz direkt am Fuße der bayrischen Königsschlösser. Im Endanflug 08 rekapituliere ich nochmals die Anfluginfo am Blattl: "1000*60 mtr. Gras, davon 450mtr. nutzbar, TO/LDG auf der Südseite der Bahn, auf oder nahe am Asphaltstreifen".
Na dann, Vorsicht nicht alles was am ersten Blick nach Flugplatz aussieht ist nutzbar, ich seh den Asphaltstreifen, "swingover" vom Gras auf den Asphaltstreifen, uiiii, sind 4 Meter schmal, es kommt mir vor als lande ich auf einem asphaltierten Feldweg.
Den Falken gesichert und in der Zeit lassen sich ungefähr 15.000 Fliegen auf dem 9474 nieder, schnell die Staurohrabdeckung drauf. Ein wenig mit den wirklich netten Fliegerkollegen geplaudert, Hotel reserviert, die zwei Tage Zeitreserve bis zum Treffen mit René welche ich durch die problemlose Anreise nach bis Füssen mitgenommen habe, will ich nutzen um mir die beiden Königsschlösser anzusehen.



Nun ja, das mit den Schlössern hat sich als schwierig erwiesen, wenn man da die Führung nicht zumindest 14 Tage im Voraus gebucht hat, gibt's nix, okay. Museum der bayrischen Könige war auch sehr interessant, eine kleine Wanderung gemacht, herbstliches Füssen, sehr nette Stadt, die Familien Hecht besucht, dachte eigentlich Peter und Andrea wohnen im Tullnerfeld, naja, man lernt nie aus - übrigens, der Kaiserschmarrn ist hervorragend ....




René meldet sich aus Chicago bei mir, er könnte bereits zwei Tage früher mit mir fliegen, er kommt gegen Mittag in München an und würde am Heimweg in Füssen einen halt machen und dann mit mir den Falken satteln. Puh, jetzt fühl ich mich doch ein wenig geehrt, steigt aus einem 300 Tonnen Flieger aus und fliegt mit mir im 600 Kilo Falken eine Einweisung, geil....
Gesagt getan, ich bin am frühen Nachmittag in Füssen, mach den Falken los, Anflugverfahren Reutte nochmals im Kopf rekapituliert, Wettercheck, die Rückenwindlandung wird kein Problem, 5kt Tailwind, also etwa 25% längerer Landelauf, Sprit versus MTOM gechecked, passt gut.
Reutte ist ein "Kopfbahnhof Flugplatz" wie der Erwin aus Ottenschlag das nennt, Anflug aus Westen und Abflug nach Westen, keine Flüge östlich der Piste, also Rückenwind ist vorprogrammiert, entweder bei der Landung oder beim Start, ca. 250 Meter vor der Schwelle ein Industriegebäude welches Überflogen werden kann, die Durchstartentscheidung muss spätestens Querab vom Windsack getroffen werden um entsprechende Hindernisfreiheit gegenüber bebautem Gebiet im Osten zu gewährleisten (die einzige Ausnahme für Flüge östlich der Piste)
René gibt mir noch eine theoretische Einweisung an welchem Punkt welche Höhen einzuhalten sind, ich versuche alle Daten mit der Karte zu korrelieren, merken würd ich mir das vmtl. in der kurzen Zeit nicht, die Karte ist gemeinsam mit den Erklärungen für den Anflug meine Guidance.
Ein toller Anflug, wir kommen vom Norden in das Tal, fliegen, fast wie bei uns, Hochspannungsleitungen entlang, dann südlich der Festung Rosskopf vorbei, Umfliegen die Ortschaften im Lechtal und da isses, das Finale 04, okay, die Halle ist doch recht nahe, wir sitzen ein paar Meter hinter der Schwelle. Rückrollen Takeoff 22, im Westen im Lechtal umgedreht, erneuter Anflug 04, jetzt an der Halle vorbei, kleine Kurskorrektur im shortest Final, zweite Landung 04 erledigt.
Ich denke René war soweit zufrieden und erteilt mir Absolution, ich darf jetzt ein Jahr lang nach Reutte kommen, ist das klasse, ich freu mich riesing. Zurück nach Füssen zeigt er mir noch ein paar Sehenswürdigkeiten und eine lässige Abflugstrecke nach Norden.

Landung in Füssen, Nachbesprechung, ich bin erledigt, weniger vom Flug an sich, aber das Ziel ist wieder einen Schritt näher. Und was macht René wenn er gerade nicht mit den großen Dingern kreuz und Quer durch die Welt fliegt, er ist in Reutte am Flugplatz, so auch am nächsten Tag und meiner begehrten Sololandung am vorvorletzten Flugplatz meiner Österreichrunde steht nix im Wege.

Fliegerversorgen, Sauna, Abendessen (gutes Gansl), zusammenpacken und ab ins Bett.
Am nächsten Morgen prachtvolles Herbstwetter in Füssen, die Landschaft ins herbstliche Orange-Braun-Restgrün getaucht, Frühstück, fertig.
Hmmm, und jetzt, soll ich wirklich bis fast 12:50 warten um dann 5 Minuten nach Süden für die Reuttener Landung zu fliegen, grübel grübel und studier - NO ! - Die Entscheidung ist schnell gefallen, es geht noch einmal nach Westen, Wendepunkt Pfändersender am Bodensee, dann entlang der Bregenzer Ache Richtung Osten, vorbei an Lech am Arlberg, rein ins Lechtal, Heading Reutte. Herr Skydemon rechnet meine Kurse, plant meine Zeiten und zeigt mir Wetter und Notams, uijuijui, die hereinziehende Front steht schon Südwestlich von Hohenems, Angasen, ich will vor der Front noch heimkommen .....
Ab nach Füssen, Falkenfüttern mit Mogas, blaue Falkenschuhe anziehen und ab gehts, Kurs West, prächtig. Ja, in Hohenems seh ich das herannahende Wetter schon deutlich stehen und das passt genau, ich dreh vorm Wetter um und fliege ihm davon. Wahnsinnsgegend hier, ein wirklich toller Teil unseres Landes, ich mein, Triebwerksausfall wünsch ich mir da keinen, die Landemöglichkeiten beschränken sich unter das berühmte Minimum, es gibt da zeitweise garnix was auch nur im entferntesten land-bar aussieht. Deutlicher Wind aus Südwest, also fliege ich an den Südhängen entlang, ich bin fast 10.000 ft und nicht wirklich über den Bergrücken, ein Saufen in den engen Tälern kann ich da garnet brauchen.
Landung in Reutte mit ca. 15kt. Tailwind, passt gut, vollgetankt, handshake mit René, welcher ein wirklich feiner Kerl ist und dem ich diese Landung hier verdanke.




Ich bekomm noch einen Tipp für den Abflug "flieg den Heiterwangersee und dann den Plansee entlang, dann kommst an der Zugspitze vorbei - wirst sehen, das gefällt Dir", wie recht er hatte. Ich plane noch eine Abstecher zum Achensee um eine Wanderroute nachzuchecken, runter ins Inntal und dann über Kufstein wieder in den Norden zum Chiemsee rauf.
Takeoff 14:00 Lokal, es geht heimwärts, 3 Stunden roundabout nach Stockerau. Ich brauch etwa 13 Liter bei meinem Powersetting, mal 3 Stunden, sind 42 Liter bei Gesamt sagen wir mal 52 ausfliegbar, bleiben 10 Liter Rest, also eine 3/4 Stunden etwa, kann sich ausgehen. Alternates am letzten Stück des Weges gibt es auch einige, Hofkirchen, Seitenstetten und Krems haben sicher offen, na dann, Achtung auf die Vogelschutzgebiete in Südbayern, die Kontrollzone Salzburg im Norden gekreuzt, die Kontroller in SBG freundlich wie immer und im Cockpit macht sich eine entspannte Stimmung breit, der Falke schnurrlt perfekt, die Groundspeed ist gut, da kann ich dem Wien Info Controller getrost sagen "Sichtflug von Reute nach Stockerau".




Knapp nach Salzburg sehe ich schon Linz in der Ferne auftauchen, ahh da ist schon Wels, ja Wels, ja Wels, ja Wels ist noch immer da, Herrschaftszeiten, Wels ist immer noch Querab. Der bislang herrschende Wind mit deutlicher Westkomponente hat sich in eine überdeutliche Ostkomponente gedreht, Grundspeed 35 Knoten, eintreffen Stockerau knapp vor ECET, nix wirds mit 3 Stunden retour, 2000 ft. knapp rechts unter mir liegt Hofkirchen, abgemeldet bei Wien, servus Hofkirchen, ich komm tanken. Viel war nimmer los in LOLH, der Ostblasius ist bis am Boden durchgebrochen, viel von der Piste hab ich nicht gebraucht, eine Landegebührreduktion hats deshalb leider nicht gegeben, na wurscht, Sprit gebunkert, bitte schickts mir die Rechnung ich muss weiter, ich will heut noch heim. Danke an die Brditschkas für's einfache Handling.

Takeoff nach Osten, der Falke steigt gegenüber dem Boden recht gut, kommt aber net g'scheit vorwärts, direkt Stockerau, ich bleib tief in der Hoffnung dass da weniger Wind ist, die Grundspeed steigt zeitweise auf berauschende 40 Konten an, das Stockerauer ETA liegt rund um ECET.
Na das darf ja net wahr sein, werd ich am Heimflug vielleicht in Krems übernachten müssen ????
Zeit zum Nachdenken hatte ich reichlich, Groundspeed dafür eher weniger. Quer drüber über den Dunkelsteiner Wald, der Wind lässt nach, rein ins Tullner Becken, heimgeflogen in 300 Meter über Grund, ich trau dem Höhenwind nicht. Knapp 30 Minuten vor ECET lande ich in Stockerau.




Reutte ist erledigt, ich auch.
Ich war 4 Tage unterwegs, habe rund 10 Stunden Flugzeit verbraten, bin 1200 Kilometer quer durch Österreich und Südbayern geflogen, habe nette Leute kennengelernt und war einige male auf dem Flug durchaus mental und motorisch gefordert.





Link: Die Falkenwanderungs - Karte



» Druckversion zeigen
» von Wolfgang Gockert